Fernwärme


Die Fernwärme-Situation in Hamburg: ein Übergang vom wirtschaftlichen Monopol eines Konzerns zur sozialen (Selbst)Versorgung






Erergienetze Hamburg: PK mit Bürgermeister Olaf Scholz (auf das Bild klicken).

Anläßlich der Diskussionen in der Stadt Hamburg über die Rekommunalisierung der Energienetze gab der Bürgermeister von HH, Olaf Scholz, im Jahre 2011 eine Presseerklärung. Dort erklärte er wörtlich: "Wir wollen sicherstellen, dass in erneuerbare Energien investiert wird...
Im Übrigen haben wir die Vorstellung, dass wir die Gelegenheit nutzen wollen, den Anschluß von Produzenten erneuerbarer Energie an die verschiedenen Netze zu erleichtern, auch dort, wo das nicht durch gesetzliche Regulierungen vorbereitet ist. Zum Beispiel beim Fernwärmenetz gibt es eine entsprechende Vorschrift nicht, aber wir würden gerne sicherstellen, dass jemand, der mit erneuerbarer Energie Fernwärme produzieren will, die in das Netz einspeisen kann."

Wir nahmen Olaf Scholz beim Wort und fingen an mit den Planungen:
ein lokales Heizhaus in Bürgerhand soll in das bestehende Fernwärmenetz einspeisen.

Spätestens der Erfolg des Volksentscheids „UNSER HAMBURG – UNSER NETZ“ im September 2013 hat die Öffnung des Fernwärmemonopols von Vattenfall besiegelt. 

KEBAP versteht sich als Teil der Lösung für die "Energiewende von unten". Es geht uns nicht um ein einzelnes  „Leuchtturm“- Projekt,  sondern um ein
Modellprojekt, das sich Nachahmer wünscht.
Die dezentrale Versorgung könnte auch den Ausfall kleiner anderer Erzeuger für die Fernwärme viel besser kompensieren als die heutige Abhängigkeit von primär zwei Großkraftwerken.
 

KEBAP liegt direkt an einem Seitenarm 
der Fernwärmeleitung
Denn zur Zeit wird ca. 75% der Hamburger Fernwärme in den Vattenfall-Kohlekraftwerken Wedel und Tiefstack erzeugt. Die Wärmeproduktion dort (wie auch die ursprünglich geplante aus dem KoKW Moorburg) ist dabei nicht etwa Abwärme, sondern für immerhin 8% der gesamten Hamburger CO2-Ausstöße verantwortlich. 

Aufgrund der zentralen Versorgung von weit entfernten Energieerzeugern wird das Netz auf bis zu 130° betrieben (Hochtemperaturnetz).

KEBAP soll sowohl die für das jetzige von Vattenfall betriebene Fernwärmenetz benötigten bis zu 136° als auch dem eigentlichen heutigen Standard entsprechende “nur“ 80°-100° produzieren und einspeisen. Je nach dem Bedarf und den Möglichkeiten vom Netz her kann sowohl in den sog. Vorlauf als auch in den (kälteren) sog. Rücklauf eingespeist  werden.  Bei KEBAP – Endverbrauchern  würde dann die dort verbrauchte Wärmemenge abgelesen und entsprechend berechnet werden.

Das Schema Energiebunker als Heizhaus zur dezentralen Energieversorgung ist ein sich anbietendes Modell. Denn der Bunker als bisher ungenutzte Ressource am bestehenden Fernwärmenetz hat viele Vorteile. KEBAP hat sogar eine optimale Situation für eine Einspeisung in das bestehende Fernwärmenetz. Der Bunker ist vom Prinzip her sogar ein für die heutige Netzsituation besonders gut geeigneter Standort, weil man sich dort am Beginn eines Seitenarms eines äußeren Bereichs des Netzes befindet und speziell in diesen Bereichen an kalten Tagen immer wieder Versorgungsengpässe auftreten. 

Stand 2011 hatte Vattenfall noch vehement versucht (trotz der Aussagen von Herrn Scholz ...), alle Anfragen seitens KEBAP für Zugangsinformationen zu blockieren.

Stand 2012: Nach einer Klarstellung des Bundeskartellamts, das jeder Fernwärmenetz-Betreiber, namentlich aber Vattenfall in Hamburg, Drittanbietern die Durchleitung von Wärme durch das eigene Netz gestatten muß, sind wir einen erheblichen Schritt weiter:

- Vattenfall bestreitet nicht mehr den rechtlichen Anspruch von KEBAP auf Durchleitung
 - Vattenfall hat KEBAP die technischen Anschlußbedingungen an das Fernwärmenetz am Stadtort Schomburgstraße geliefert. Was noch fehlt: die Angabe der Durchleistungsgebühren, die Vattenfall von KEBAP erheben möchte. 

Stand 2015: Nach dem erfolgreichen Volksentscheid für die Rekommunalisierung der Fernwärme und nach der neuen Regierungsbildung unter rot/grün kommt erneut Bewegung in das Hamburger Fernwärmesystem. 2011 noch belächelt, wird KEBAP heute von den Experten als Vorrreiter der dringend benötigten "Wärmewende" gesehen.
Erste Absichtserklärungen überwiegend von Wohnungsgenossenschaften liegen vor, nach Realisierung der Heizzentrale regenerative Fernwärme von KEBAP beziehen zu wollen.


Die Zukunft des Hamburger Fernwärmenetzes würde in unserer Vision eine „Entzentralisierung“ des bestehenden Netzes und eine Vielzahl dezentraler Erzeuger aus (möglichst) erneuerbaren Energien bedeuten. Dies wäre in unserer Vorstellung dann eine Koexistenz von überlappenden Netzen. Die Erzeugerstätten könnten dabei sehr unterschiedlich sein in Leistung, Energieträger und Baukörper





allgemeine Informationen zu Fernwärmezahlen von Vattenfall in Hamburg:
Vattenfall produziert nach eigenen Angaben ca. 4 Milliarden Kilowattstunden (KWh) Fernwärme. Davon entstehen ca. 75% in den Kohlekraftwerken Tiefstaak und Wedel – also ca. 3 Milliarden KWh. Experten beziffern das Einsparpotenzial bei kürzeren (dezentralen) Leitungswegen und niedrigerer Temperatur in modernen Netzen, sowie intelligenter Regeltechnik mit 20-30%. Das bedeutet 2,25 Milliarden KWh Kohlekraft-Fernwärme wäre zu ersetzen durch erneuerbare Wärmeerzeugung. 


Was stimmt hier nicht?
Vattenfall hielt bis zum Volksentscheid in Hamburg das unregulierte Monopol der Fernwärmeversorgung: das Netz, die Wärmekraftwerke und die Kunden. Der Hamburger Verbraucher kann, anders als bei Strom und Gas, nicht zu einem anderen Wärmeanbieter wechseln. Vattenfall orientiert sich bei der Preisbemessung an der zu erzielenden Marge. Sie bleibt nur knapp unter den Gesamtkosten für Wärme aus einer Gas-Zentralheizung, obwohl die Herstellungskosten für ihre Fernwärme deutlich geringer liegen.

Die Bedeutung des Bereichs Wärme wurde aus Verbraucher- und Umweltperspektive lange unterschätzt. Was viele nicht wissen: Der Anteil der Wärme am Energieverbrauch eines durchschnittlichen Privathaushalts liegt bei 53%, der von Strom bei „nur“ 8%. Die Heizkosten eines Privathaushalts haben sich zwischen 1999 und 2009 nahezu verdoppelt.